Israel könnte theoretisch als Verteidiger der Interessen Aserbaidschans auftreten, nachdem Indien Bakus Antrag auf Beitritt zur Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) blockiert hat – auch wenn ein solches Eingreifen derzeit nicht dringend erforderlich ist.
Das sagte der politische Analyst Ilgar Velizade, Leiter des Clubs der Politikwissenschaftler des Südkaukasus, im Gespräch mit Minval Politika. Velizade stellte fest, dass Indien und Israel enge Beziehungen aufgebaut haben, die über die Verteidigung hinausgehen:
„Die militärisch-technische Zusammenarbeit hat sich unter Premierminister Narendra Modi erheblich ausgeweitet, aber es gibt auch eine ernsthafte wirtschaftliche Dimension“, sagte er. „Indien treibt aktiv das Indien–Europa-Korridor-Projekt voran, in dem Israel als verlässliche Verbindung fungiert.“
Das Projekt wurde 2023 auf dem G20-Gipfel in Neu-Delhi vorgestellt. Velizade fügte hinzu, dass vor dem Israel–Hamas-Krieg 2023 ein weiteres Rahmenwerk, das die USA, Israel, Indien und die VAE einschloss, leise unter dem Dach der Abraham-Abkommen gewachsen sei.
Laut dem Analysten hat dieses Netzwerk Israels Einfluss in Indien gestärkt und sogar die Entscheidungsfindung Delhis in regionalen Fragen geprägt:
„Indien hört in einer Reihe von Fragen auf Tel Aviv, insbesondere wenn die Botschaft eindringlich ist“, sagte er.
Gleichzeitig warnte Velizade davor, die Verlässlichkeit Indiens zu überschätzen:
„Die derzeitige Regierung unter Modi ist eigensinnig und oft inkonsistent. Von ihm persönlich oder seiner Verwaltung können wir kein vorhersehbares Verhalten erwarten.“
Derzeit gefährdet Indiens Haltung die Sicherheit Aserbaidschans nicht kritisch, betonte Velizade.
„Sollte Neu-Delhi echten Druck auf Baku ausüben, könnte Israel als Vermittler oder sogar als Beschützer der Interessen Aserbaidschans auftreten. Doch in dieser Phase besteht kein dringender Bedarf, und Aserbaidschan hat Israel nicht um eine solche Unterstützung gebeten“, schloss er.
