Das jüngste Interview des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew mit dem saudischen Sender Al-Arabiya wird als kraftvolle Projektion der regionalen Strategie Bakus gesehen, die Vertrauen in die Friedensdiplomatie mit klaren Warnungen an Nachbarn und globale Akteure verbindet.
Der politische Analyst Azer Garaev bezeichnete das Gespräch gegenüber Trend als “botschaftsreiche Roadmap”, die Aserbaidschans diplomatische Erfolge und strategische Ambitionen widerspiegle.
Washington-Abkommen: Ein Wendepunkt
Garaev betonte Alijews Hinweis auf das im August 2025 paraphierten Washingtoner Friedensdokument und beschrieb es als “historischen Meilenstein, der das Kapitel des armenisch-aserbaidschanischen Konflikts faktisch beendet”. Obwohl die endgültige Ratifizierung von Verfassungsänderungen in Armenien abhänge, markiere die Vereinbarung bereits jetzt “eine neue Ära des Friedens und der Zusammenarbeit”.
Zangezur-Korridor als „Trump-Route“
Alijews Äußerungen belebten auch die Diskussion über den Zangezur-Korridor, die sogenannte „Trump-Route“. Laut Garaev stärkt die Initiative Aserbaidschans geopolitisches Gewicht, verbindet das Kernland mit Nachitschewan und festigt seine Rolle als regionales Transitdrehkreuz. “Dieses Modell ist ein Win-win: Auch Armenien kann profitieren, wenn es einen konstruktiven Weg wählt”, betonte er.
Spannungen mit Russland nach abgeschossenem Flugzeug
Der Analyst sprach auch die dunkleren Aspekte von Alijews Kommentaren an — insbesondere die Folgen des Abschusses eines aserbaidschanischen Zivilflugzeugs durch Russland. Das Ereignis habe, so Garaev, “die bilateralen Beziehungen tief erschüttert und enorme Frustration in der aserbaidschanischen Öffentlichkeit ausgelöst”. Alijews Forderung nach einer transparenten Untersuchung zeige Bakus Entschlossenheit, Rechenschaft einzufordern, ohne die Eskalation zu suchen.
Der anschließende Anstieg anti-aserbaidschanischer Gewalt in Russland verdeutliche die fragile Lage: “Aserbaidschan bevorzugt Dialog und Frieden, wird aber Respektlosigkeit gegenüber seinem Staat oder seinem Volk nicht hinnehmen.”
Iran, USA und strategisches Gleichgewicht
Alijew ging auch auf die Beziehungen zum Iran ein, hob institutionelles Vertrauen und regionale Konnektivität durch diversifizierte Transportwege hervor — ein Zeichen für Aserbaidschans “strategische Flexibilität”, so Garaev.
Über die USA sagte Alijew, Präsident Donald Trump sei “mutig und aktiv” in den Friedensbemühungen, und unterstützte sogar dessen Nominierung für den Friedensnobelpreis. Dies spiegle “Aserbaidschans Bereitschaft wider, eine prinzipientreue Haltung in der Weltpolitik einzunehmen”, so Garaev.
Turkische Einheit und regionale Führung
Das Interview betonte zudem Aserbaidschans wachsende Rolle in der Organisation Turkstaaten, die als Eckpfeiler von Einheit und regionaler Entwicklung beschrieben wurde. “Das bestätigt den Status Aserbaidschans als verlässlicher und einflussreicher Akteur auf regionaler und globaler Ebene”, erklärte Garaev.
Selbstbewusste Haltung
Insgesamt, so Garaev, habe Alijew Aserbaidschan als friedensorientierte, aber zugleich entschlossene Regionalmacht präsentiert — bereit zu konstruktivem Engagement, jedoch ebenso entschlossen, nationale Würde und Souveränität zu verteidigen.
