Analyse von Farhad Mammadov (@mneniyefm)
Videoaufnahmen des jüngsten Mordes am Bürgermeister von Parakar, Volodya Grigoryan, deuten darauf hin, dass der Täter ein Profi war: Tarnkleidung, Gelassenheit und ein Kontrollschuss, um den Tod des Opfers sicherzustellen. Vor dem Hintergrund des erbitterten politischen Kampfes in Armenien trägt das Attentat unvermeidlich politische Untertöne. Grigoryan hatte erst kürzlich einen entscheidenden Wahlsieg über einen regierungsnahen Kandidaten errungen. Er repräsentierte Aprelu Yerkir, eine politische Bewegung mit Verbindungen zum inhaftierten ehemaligen Staatsminister von Berg-Karabach, Ruben Vardanyan — und nicht die älteren Oppositionslager von Kocharjan oder Sargsjan.
Zur Spannung trägt bei, dass Ministerpräsident Nikol Paschinjan auffallend die Jahressitzung der UN-Generalversammlung in New York ausließ.
Jahrelang ließ Paschinjan kaum eine Gelegenheit verstreichen, in den USA aufzutreten, wo Treffen mit Weltführern, darunter Präsident Trump, stattfinden konnten. Doch gerade in dem Moment, in dem die globale Aufmerksamkeit auf die UNO gerichtet ist, ereignet sich im Inland ein aufsehenerregender politischer Mord.
Dies wirft Fragen auf: Wurde der Premierminister vor möglichen Provokationen gewarnt und entschied sich daher, in Jerewan “auf der Hut” zu bleiben? Beobachter schlagen vor, Paschinjan solle öffentliche Spaziergänge vermeiden und seinen persönlichen Sicherheitsapparat verstärken.
Ein weiteres bemerkenswertes Detail ist seine Abwesenheit in Moskau – Ende September ist Paschinjan trotz zunehmender regionaler Spannungen noch nicht in Russland erschienen.
Armenische Strafverfolgungsbehörden, so argumentieren Analysten, müssen entschieden auf solche Vorfälle reagieren und präventive Maßnahmen ergreifen. Bei der Vielzahl an Waffen im Land wächst das Risiko weiterer politisch motivierter Morde unaufhaltsam.
