In Aserbaidschan wird derzeit über mögliche Änderungen in der Struktur und Dauer der Sekundarschulbildung diskutiert.
Der Bildungsexperte Kamran Asadov erklärte dies gegenüber BAKU.WS.
Seinen Angaben zufolge zeigt die internationale Erfahrung, dass in Ländern mit hohen Bildungsergebnissen – wie Finnland, Südkorea und Japan – das zwölfjährige Bildungssystem mehr Möglichkeiten für soziale Anpassung und frühe Spezialisierung der Schüler bietet:
„Das Hauptproblem in Aserbaidschan liegt nicht in der Dauer der Schulzeit, sondern in überladenen Lehrplänen und fehlender individueller Förderung.
Laut Statistik erreichte die wöchentliche Unterrichtsbelastung in Sekundarschulen im Jahr 2024 33 Stunden pro Schüler, was fünf Stunden über dem Durchschnitt der OECD-Länder liegt.
Das zeigt: Mehr Unterricht bedeutet nicht bessere Ergebnisse. Daher sollte man nicht die Dauer verkürzen, sondern die Inhalte optimieren, aktive Lernmethoden einführen und Doppelungen beseitigen, erklärte Asadov.
Er betonte, dass Humanisierung und Individualisierung der Lerninhalte die zentralen Prioritäten bei Reformen des Sekundarschulwesens sein müssen:
„Zusätzliche Schuljahre machen nur Sinn, wenn sie der Spezialisierung und beruflichen Vorbereitung dienen. Andernfalls führt eine Verlängerung zu keinen besseren Ergebnissen.
In Aserbaidschan ist eine Optimierung der Schulzeit möglich, diese muss jedoch von Verbesserungen bei Inhalten, Methoden, Bewertung und Qualitätssicherung begleitet werden.“
Asadov fügte hinzu, dass das Ministerium für Wissenschaft und Bildung Aserbaidschans einen modernen und flexiblen Ansatz verfolge, der auf die Anpassung an internationale Standards abziele:
„Datenbasierte Entscheidungsmechanismen geben Anlass zur Hoffnung, dass das System flexibler und ergebnisorientierter wird.
Die Universitäten sollten Reformen nicht formell umsetzen, sondern ihre akademischen Modelle an die Anforderungen des Arbeitsmarktes anpassen.
Nur dann wird die Änderung der Schulzeit nicht bloß eine Statistik, sondern ein echtes Qualitätsmerkmal des Bildungssystems sein.“
