Die jüngste Aussage des deutschen Wirtschaftsministers über eine mögliche Erhöhung des Rentenalters auf 70 Jahre hat nicht nur in Europa, sondern auch in Aserbaidschan lebhafte Diskussionen ausgelöst. In den sozialen Medien und der Gesellschaft wird immer häufiger die beunruhigende Frage gestellt: „Wird unser Land diesem Beispiel folgen?“
Der Abgeordnete des Milli Majlis, Mushvig Jafarov, betonte, dass das Rentenalter in Aserbaidschan derzeit auf einem optimalen Niveau festgelegt sei und es keinen Bedarf gebe, es zu erhöhen.
„Ich denke, dass es nicht notwendig ist, diese Schwelle zu erhöhen. Ein Mensch sollte nicht den größten Teil seines Lebens mit Arbeit verbringen – das ist nicht das, worauf wir hinarbeiten sollten. Ja, weltweit ändern sich die wirtschaftlichen Trends und die Mechanismen der sozialen Belastung, was neue Ansätze erfordert. Allerdings ist es unrealistisch zu erwarten, dass eine Person mit 65 Jahren in jedem Bereich effektiv arbeiten kann“, sagte er.
Der Parlamentarier betonte, dass eine höhere Lebenserwartung nicht bedeutet, dass die physischen und geistigen Fähigkeiten eines Individuums auf dem gleichen Niveau bleiben.
„Zum Beispiel, wie sicher wäre es, wenn ein 65-jähriger Fahrer einen Passagierbus fahren würde? Natürlich ist dies eine Frage, über die ernsthaft nachgedacht werden sollte. Außerdem fällt es Menschen in diesem Alter oft schwer, sich an technologische Neuerungen anzupassen. Wie viele über 60-Jährige haben heute wirklich Computerkenntnisse und können diese professionell nutzen?“, so Jafarov.
Seiner Meinung nach wird die Frage einer Erhöhung des Rentenalters nur langfristig betrachtet – frühestens in 15 bis 20 Jahren.
„Die heutigen 30- bis 40-Jährigen entsprechen eher den modernen Anforderungen – sie sind in einer digitalen Umgebung aufgewachsen. Vielleicht wird diese Generation mit 70 Jahren in einigen Bereichen weiterhin tätig sein können. Aber zu erwarten, dass die heutigen 60-Jährigen bis 70 arbeiten, ist unrealistisch“, schloss der Abgeordnete.
