In den privaten medizinischen Einrichtungen Aserbaidschans wird von den Patienten eine zusätzliche Gebühr für den stationären Aufenthalt während oder nach einer Behandlung verlangt. Die Preise beginnen bei 100–150 Manat pro Tag. Angesichts der hohen Kosten für Facharztkonsultationen, Diagnostik und chirurgische Eingriffe stoßen diese Zusatzgebühren auf großen Unmut in der Bevölkerung.
Berichte von Patienten zeigen das Ausmaß des Problems:
„Pro Tag kommt eine beachtliche Summe zusammen. Ich kenne einen Fall, bei dem für zehn Tage Behandlung 30.000 Manat bezahlt wurden – und trotzdem verstarb der Patient“, berichtet eine Befragte.
Ein anderer sagt:
„Die Preise variieren je nach Ausstattung. Sie liegen zwischen 50 und 100 Manat täglich. Für Zimmer und Operationen wird getrennt bezahlt. In manchen Kliniken gibt es Ein- und Zweibettzimmer mit Bad, Klimaanlage, Fernseher und WLAN – alles im Preis inbegriffen. Aber die Preise sollten an die Einkommen der Bevölkerung angepasst werden.“
Ein dritter Gesprächspartner äußert sich deutlich schärfer:
„Alles hängt vom Gewissen der Klinikbesitzer ab. Ob privat oder staatlich – überall wollen sie Geld. Wenn du nicht zahlst, bekommst du keine gute Behandlung. Du musst zahlen, Wege finden oder sterben.“
Der stellvertretende Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Milli Mejlis, Rashad Mahmudov, erklärte, dass der Aufenthalt in privaten Kliniken oder auf Intensivstationen zusätzlich bezahlt werden müsse, wenn er nicht durch eine Versicherung abgedeckt ist.
Er betonte, dass diese Praxis in vielen Ländern üblich sei, Aserbaidschan jedoch Maßnahmen ergreife, um medizinische Leistungen erschwinglicher zu machen.
„Das Gesundheitsministerium arbeitet gemeinsam mit der Ärzteschaft an der Einführung fairer Preise, auch für stationäre Aufenthalte. Ziel ist es, die finanzielle Belastung der Bürger zu verringern, Transparenz zu schaffen und Missbrauch zu verhindern“, sagte Mahmudov.
Der Mediziner Mardan Alijew ist der Meinung, dass die derzeitigen Zimmerpreise in Privatkliniken weit über den tatsächlichen Kosten liegen.
„Die Medizin darf nicht völlig den Marktgesetzen unterworfen sein, da sie mit dem Leben und den Gefühlen der Menschen verbunden ist. Es muss mehr staatliche Kontrolle geben und Obergrenzen für medizinische Leistungen und stationäre Tarife eingeführt werden“, betonte er.
Laut einer privaten Untersuchung beträgt der Mindestpreis für einen Krankenhausaufenthalt in Bakuer Privatkliniken etwa 100 Manat pro Tag. Je nach Komfort und Ausstattung kann der Preis jedoch deutlich steigen. Besonders teuer sind Intensivstationen, wo die Tageskosten zwischen 300–500 und bis zu 1.000–2.000 Manat liegen.
