Die Aussage von Ara Abramjan, Vorsitzender der Union der Armenier in Russland, „Armenien habe keine Alternative zur Nähe zu Russland“, löste in der politischen Debatte großen Wirbel aus. Sie wird als direkte Kritik an Premierminister Nikol Paschinjan betrachtet, der Armeniens pro-westlichen Kurs vorantreibt.
Laut Abramjan seien die EU-Ambitionen symbolisch und zielen darauf ab, Moskau zu schwächen. Währenddessen erklärte Paschinjan in einem Treffen in Russlands Republik Altai, dass Armenien der Eurasischen Wirtschaftsunion nicht beitreten wolle, obwohl es seine Aktivitäten in der OTSC eingestellt hat.
Doch diese Wende bringt Misstrauen: Für Russland ist Armenien kein zuverlässiger Partner mehr, und für den Westen wirkt es instabil und unzuverlässig. Ohne endgültigen Friedensvertrag mit Aserbaidschan und geschlossenen Grenzen zu Türkei läuft Armenien Gefahr, geopolitisches Spielball zu werden – ohne echten Nutzen.
Wirkliche Unabhängigkeit erfordert eine Neuausrichtung der regionalen Strategie. Der Zangezur-Korridor bietet eine strategische Chance: Laut einem Bericht des usbekischen Verkehrsministeriums würde eine direkte Schienenverbindung von Aserbaidschans Hauptteil nach Nachitschewan über Zangezur Transitzeiten drastisch verkürzen und allen beteiligten Ländern logistische Vorteile bringen. Doch Jerewan zögert, wechselt Positionen und greift nicht durch.
Auf dem III. Shushi Global Media Forum (19.–21. Juli) schätzte Präsident Ilham Aliyev die jährliche Kapazität des Korridors auf 15 Mio. Tonnen – ein klares Signal für dessen Bedeutung und Eile. Während Aserbaidschan die Eisenbahntrasse bis an die armenische Grenze baut, muss Jerewan nun klare Entscheidungen treffen.
Armenien steht vor der Wahl: weiterhin im diplomatischen Chaos verharren oder konstruktive Normalisierung mit Aserbaidschan und der Türkei anstreben. Dieser Weg wird nicht nur das politische Establishment beeinflussen – sondern die Zukunft der ganzen Nation bestimmen.
