Gefährliche Adrenalin: Warum der Extremsporttourismus in Aserbaidschan Dringend Reguliert Werden Muss

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In den letzten Jahren ist der Extremsporttourismus zu einem der attraktivsten und am schnellsten wachsenden Sektoren in der Tourismusindustrie Aserbaidschans geworden. Doch hinter der verlockenden Fassade von Adrenalinsportarten verbirgt sich ein ernstes Problem: das nahezu vollständige Fehlen von Regulierung und Kontrolle in einem Bereich, in dem der Preis für einen Fehler in Menschenleben gemessen wird.

Die Besonderheit des Extremsporttourismus – das hohe Risikoniveau, die Notwendigkeit professioneller Ausbildung und der Einsatz spezialisierter Ausrüstung – macht ihn nicht nur zu einer Freizeitaktivität, sondern zu einer Tätigkeit, die eine strenge gesetzliche Regulierung und Sicherheitskontrollen erfordert. Aus diesem Grund sind klare Standards und Kontrollmechanismen für Betreiber, Instruktoren und Touristen von entscheidender Bedeutung.

Tragödie als Handlungsaufforderung

Der tragische Tod der Fallschirmspringerin Nurana Mammadova im Gebiet des Beshbarmag-Gebirges in Siyazan bestätigte die systemischen Probleme der Branche. Dieser Vorfall löste nicht nur öffentliche Empörung aus, sondern offenbarte auch schwerwiegende Mängel in den Sicherheitsmechanismen und der rechtlichen Regulierung des Extremsporttourismus im Land.

Eine Untersuchung der Tragödie offenbarte eine Reihe von Problemen: das Fehlen klarer Sicherheitsstandards, unzureichende Kontrollen der Betreiberaktivitäten, Unklarheiten bei der Verantwortungszuweisung und das Fehlen spezialisierter Gesetzgebung. Das aserbaidschanische Tourismusgesetz enthält keinen speziellen Abschnitt für Extremsporttourismus, was erhebliche Lücken in der Regulierung dieses potenziell gefährlichen Sektors schafft.

Systematische Lücken in der Regulierung

Samir Dübendi, Vorsitzender der Hotel- und Restaurantvereinigung und Geschäftsführer der Vereinigung für Ökotourismus in Aserbaidschan, kommentierte die kritische Situation in diesem Bereich.

„Es gibt keine einheitlichen Standards oder verpflichtenden Zertifizierungs- und Lizenzierungssysteme für Ausrüstungen, Servicequalität oder Qualifikationen der Betreiber. Das bedeutet, dass jeder in diesem Bereich tätig werden kann, ohne dass die Qualifikationen der Betreiber, die Sicherheit der Ausrüstung oder die Einhaltung internationaler Standards überprüft werden“, sagte Dübendi.

Laut dem Experten stellt eine solche Situation nicht nur eine Bedrohung für das Leben und die Gesundheit der Touristen dar, sondern könnte auch den Ruf Aserbaidschans als touristisches Ziel erheblich schädigen, insbesondere bei ausländischen Gästen, für die Sicherheitsgarantien ein Schlüsselfaktor bei der Wahl eines Urlaubsziels sind.

Ein besonderes Problem ist das Fehlen transparenter Informationen über die rechtliche Grundlage der Aktivitäten der Extremsporttourismus-Betreiber im Bereich des Beshbarmag-Gebirges, wo die Tragödie stattfand. Es ist unklar, ob sie über die erforderlichen Genehmigungen und Lizenzen verfügen, was auf eine tatsächliche fehlende Kontrolle im Sektor hinweist.

Als Ergebnis könnten einige Betreiber, die auf Sicherheitsmaßnahmen sparen wollen, nicht zertifizierte Ausrüstungen verwenden, auf Schulungen verzichten und Warnungen bezüglich der Wetterbedingungen ignorieren. Die Schwäche der rechtlichen Verantwortung fördert verantwortungsloses Verhalten.

Verträge als Instrument zur Verantwortungsverminderung

Jeyhun Ashurov, Leiter der Organisation der Tourismusprofis Aserbaidschans, wies auf die verbreitete Praxis hin, dass Betreiber von Extremsporttourismus Verträge verwenden, um die Verantwortung auf die Touristen zu übertragen.

„Um die Risiken im Extremsporttourismus zu minimieren, sind ernsthafte Schulungen erforderlich, ebenso wie eine genaue Beurteilung der Wetterbedingungen und richtig formulierte Verträge mit den Touristen“, sagte er.

„Touristen unterschreiben in der Regel Verträge, in denen sie bestätigen, dass sie die Risiken übernehmen. Das entbindet jedoch die Instruktoren, Guides und Betreiber nicht von ihrer Verantwortung. Jede Unachtsamkeit, technische Panne oder falsche Einschätzung der Wetterbedingungen kann zu fatalen Folgen führen“, betonte Ashurov.

Ashurov hob hervor, dass die Schwäche der rechtlichen Regulierung Möglichkeiten für Missbrauch durch unehrliche Betreiber schafft. „Solche Fälle könnten das Interesse am Extremsporttourismus verringern. Aber dieser Sektor hat sein Publikum, und der Extremsporttourismus wird nicht vollständig verschwinden. Daher ist es entscheidend, das höchste Sicherheitsniveau zu gewährleisten“, sagte der Experte.

Internationale Erfahrungen als Leitfaden für Reformen

Die Erfahrungen entwickelter Länder zeigen die Notwendigkeit eines umfassenden Ansatzes für den Extremsporttourismus, insbesondere im Fallschirmspringen. Diese Erfahrung kann auch für Aserbaidschan als Vorbild dienen.

In Ländern wie den USA, Frankreich, Deutschland, der Schweiz und Australien ist eine spezielle Lizenz erforderlich, um Fallschirmsprünge zu organisieren. Dies wird als Grundlage für die Gewährleistung der Sicherheit betrachtet, da nur qualifizierte und verantwortungsbewusste Spezialisten zugelassen werden.

Anfänger müssen professionelle Schulungen absolvieren, die sowohl theoretische als auch praktische Phasen umfassen. Instruktoren dürfen nur zertifizierte und erfahrene Spezialisten sein.

In den meisten Fällen werden die ersten Sprünge mit einem Instruktor durchgeführt, und die volle Verantwortung für die Sicherheit liegt bei ihm. Für selbstständige Sprünge ist eine separate Lizenz erforderlich. Dieses System ermöglicht es Anfängern, die Fähigkeiten schrittweise zu erlernen und verringert die Risiken.

Vor jedem Flug wird die Fallschirmausrüstung einer obligatorischen technischen Inspektion unterzogen und zertifiziert.

Die fortgeschrittene internationale Erfahrung zeigt erneut, dass die Sicherheit im Extremsporttourismus nicht nur auf persönlicher Vorsicht basiert. Sie muss auf einer umfassenden und mehrstufigen Integration von rechtlicher Regulierung, professionellen Standards und technischer Kontrolle beruhen.

Die Tragödie am Beshbarmag-Gebirge war eine schmerzhafte Erinnerung an die dringende Notwendigkeit, die bestehenden Sicherheitsregeln und -mechanismen im Extremsporttourismus in Aserbaidschan zu überprüfen.

Media.Az

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