Händedruck in Peking, kühlere Beziehungen: Eine Woche voller Signale aus dem Südkaukasus

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Ein flüchtiger Händedruck zwischen Präsident Ilham Aliyev und Wladimir Putin in Peking wurde zum Rorschach-Test der Woche für Südkaukasus-Beobachter. Der politische Analyst Wladimir Koptschak sagte gegenüber Новости Кавказа, dass dieser kurze Austausch weniger eine Annäherung, sondern vielmehr eine Abkühlung und krisenhafte Phase in den russisch-aserbaidschanischen Beziehungen signalisiert habe. Nach seiner Auffassung verschärfte die anschließende russische Rhetorik — darunter eine Mitteilung des Außenministeriums über Entschädigungen im Zusammenhang mit dem Fall des abgeschossenen Flugzeugs — die Verärgerung Bakus nur noch weiter, da die Zahlungen routinemäßig über Versicherungen abgewickelt wurden und nicht auf einer Entscheidung des Kremls beruhten.

Kommentatoren beschäftigten sich auch mit Bildern, die tiefer schnitten als das Protokoll. Die sorgfältig inszenierten Aufnahmen der First Ladies von Aserbaidschan und Armenien — darunter auch eine Bildreihe zusammen mit der türkischen First Lady — wurden als das aussagekräftigste Tableau der Woche beschrieben und spiegelten den Schwung im armenisch-aserbaidschanischen Friedensprozess wider. Aliyevs Äußerungen in einem kürzlichen Interview mit Al Arabiya, in dem er von zwei Angriffen auf das Flugzeug sprach und die Piloten ehrte, wurden als weiterer Beleg für Bakus verhärtetes Narrativ gewertet — eines, dem Moskau kaum etwas entgegensetzen konnte. Der SCO-Gipfel und seine Randgespräche standen ebenfalls im Mittelpunkt. Analysten erklärten, die viel diskutierte Möglichkeit eines gleichzeitigen Beitritts Armeniens und Aserbaidschans habe nie eine echte Chance gehabt; beide Hauptstädte seien in der Stimmung “nicht beizutreten” angereist. Chinas Rolle als aufstrebender “Aufseher” in Eurasien wurde hervorgehoben, jedoch mit dem Hinweis, nicht mit einem sicherheitspolitischen Schirm im Stil der OVKS mit chinesischen Merkmalen zu rechnen. Die einzige konkrete Note in sonst diffusen Kommuniqués sei eine schärfere Verurteilung der US- und israelischen Angriffe auf den Iran gewesen — während die Ukraine auffällig fehlte.

Armeniens Strategie wurde als “neue Normalität” bezeichnet: sich offenem russischem Druck widersetzen, Verteidigungsbeziehungen diversifizieren und das heikle Gleichgewicht mit Iran und Indien aufrechterhalten. Berichte über Indiens Unmut wegen Eriwans Öffnung gegenüber Pakistan wurden als diplomatisch handhabbar dargestellt. Die größere Veränderung sei jedoch, dass Armenien einen internen Beschaffungsmarkt aufgebaut habe, der nicht mehr über Moskau läuft — ein politischer Erfolg, den Analysten für gewichtiger hielten als jedes einzelne Waffengeschäft.

Georgien tauchte in den Diskussionen als Warnsignal auf. Das Lager der Regierungspartei in Tiflis wurde so beschrieben, dass es einen langsamen Bruch mit EU und NATO “absichtlich und mit Spott” formalisiere, indem es kulturkampfartige Themen und ein Gesetz über ausländische Agenten als Keile einsetze. Prognose: ein starkes Abschneiden bei den Kommunalwahlen im Oktober, keine vorgezogenen Parlamentswahlen und anhaltende Konfrontation mit Brüssel, unabhängig davon, ob die visafreie Reise letztlich eingeschränkt wird. In diesem Szenario würde jede Nachsicht der EU nicht als Engagement, sondern als Schwäche verstanden.

Auch Infrastrukturpolitik zog sich durch alles hindurch. Warum hat China den Tiefseehafen Anaklia nicht vorangebracht? Die einfachste Antwort lautete “politische Stabilität”: Peking warte die georgischen Turbulenzen ab und greife währenddessen auf bestehende russische Routen zurück. Sollten die Sanktionen gegen Russland jemals gelockert werden, so warnten Analysten, wachse der Druck, den Handel über Noworossijsk und die Transsibirische Eisenbahn zu lenken, wobei Anaklia eher als Ergänzung denn als Drehpunkt gesehen würde.

Über die Debatten hinweg zog sich ein roter Faden: Moskaus Einfluss nimmt in Baku ab und ist in Eriwan eingeschränkt, reicht aber noch für wirtschaftlichen Druck. Peking beobachtet und wartet. Und die Region lebt mit einer neuen Grundlage — kein Plateau der Ruhe, sondern ein kühleres, angespannteres Gleichgewicht.

Quelle: Новости Кавказа (auf Russisch). [Vollständiges Video hier]

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