Ein neues kollektives Machtzentrum entsteht, angeführt von Russland, Indien und China, doch der Südkaukasus scheint in die entgegengesetzte Richtung zu gehen, sagte der Politikanalyst Wladimir Kireev in einem Interview mit Sputnik Armenia.
Laut Kireev war die Entscheidung auf dem jüngsten Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) in China, weder Armenien noch Aserbaidschan aufzunehmen, „ein aussagekräftiges Signal“ und keine koordinierte Brüskierung. „Es zeigt, wie der Südkaukasus gegen den breiteren globalen Trend läuft“, sagte er.
Aufstieg des Globalen Südens und Ostens
Kireev argumentierte, dass Organisationen wie die SOZ und die BRICS eine neue „alternative Globalisierung“ verkörpern, die vom Globalen Süden und Osten vorangetrieben wird. Einst als peripher betrachtet, konsolidieren sich diese Länder nun zu einem geopolitischen Zentrum, in dem Moskau, Neu-Delhi und Peking Hauptakteure sind.
Unterdessen, sagte er, schrumpft der Einfluss der Vereinigten Staaten, der EU und ihrer Verbündeten sichtbar, was langjährige Prognosen bestätigt, dass die westliche Dominanz erodieren würde. „Diese Zeit ist bereits gekommen“, merkte Kireev an.
Der Kaukasus neigt sich dem Westen zu, aber unter türkischem Einfluss
Trotz der Anziehungskraft des Pekinger Modells orientiert sich der Südkaukasus laut Kireev weiterhin an der EU und den USA, während die Region gleichzeitig von einem türkisch-aserbaidschanischen Bündnis „absorbiert“ werde.
Er verwies auf Israel als einen der wichtigsten Partner Bakus und auf die Rolle der Türkei unter US- und EU-Deckung. Großbritannien sei in der Region aktiv, während Frankreich abgewichen sei und damit Spaltungen im westlichen Block verdeutliche.
Das Paradox, so Kireev, sei, dass das lange gefürchtete Eintreten der Türkei in den Kaukasus nun stattfinde, „mit direkter Beteiligung der Führung Armeniens und Aserbaidschans“.
Russlands Anteil
Zur Rolle Russlands räumte Kireev ein, dass Moskau die Bedeutung des Kaukasus verstehe, aber nicht entschieden gehandelt habe. „Die Kontrolle über die Region wird von offen feindlichen Kräften bestritten“, sagte er. Die EU habe seiner Meinung nach die konfrontativste Linie eingeschlagen, wobei der Südkaukasus potenziell als Sprungbrett für Druck auf Russland dienen könnte.
Ein Schachbrett für Großmächte
Kireev zeichnete einen düsteren Ausblick für die Staaten der Region. „Wirtschaftswachstum oder verbesserte Sicherheit sind nicht einmal realistische Träume“, sagte er und beschrieb Armenien, Aserbaidschan und Georgien als Bauern auf einem riesigen geopolitischen Schachbrett.
