Die Schattenwirtschaft Aserbaidschans hinterlässt weiterhin sichtbare Spuren in den Bilanzen des Landes, so Beamte und Ökonomen, wobei Milliarden von Manat außerhalb der formalen Aufsicht bleiben, berichtet die Zeitung Kaspi.
Der stellvertretende Vorsitzende des staatlichen Statistikkomitees, Rauf Salimov, sagte, nicht erfasste Aktivitäten machten 7,7 % des BIP aus, davon 1,8 % direkt mit Schatten-Transaktionen verbunden. Auf dem aktuellen Niveau bedeutet das, dass rund 3,2 Milliarden Manat an Waren und Dienstleistungen in den Statistiken fehlen, während weitere 2,2 Milliarden Manat an Mehrwert nicht deklariert werden.
Wo die Schatten fallen
Ökonom Ruslan Atakishiyev, Leiter des Forschungszentrums für Wirtschaftsressourcen, sagte, die größten Konzentrationen fänden sich im Handel und in den Dienstleistungen – darunter große Einkaufszentren, kleine Fabriken in Kellern und Firmen, die nur einen Bruchteil ihres tatsächlichen Umsatzes deklarieren. „In fast jedem Sektor findet man Schattenaktivitäten“, sagte er. Eine völlig „weiße“ Wirtschaft sei unrealistisch, aber das Ausmaß könne durch konsequente Steuerprüfungen und Anreize zur Offenlegung verringert werden.
Steuerlücken und stille Praktiken
Steuerexperte Anar Bayramov stellte fest, dass sich einige Unternehmer aktiv gegen Transparenzmaßnahmen der letzten Jahre wehren. Große Einkaufszentren wie Sadarak und Bina verzeichnen weiterhin erheblichen undokumentierten Warenverkehr, während Frachtunternehmen Importe häufig zu niedrig angeben. Er verwies zudem auf neue Techniken, darunter „Karte-zu-Karte“-Zahlungen und Abrechnungen über Kryptowährungen bei grenzüberschreitenden Dienstleistungen.
Miete, Hochzeiten und Bargeld
Ein weiterer Ökonom, Eyyub Kerimli, Vorsitzender der NGO für Wirtschafts- und Sozialstudien, wies auf den Mietwohnungsmarkt als große Blindstelle hin: landesweit würden fast eine halbe Million Wohnungen vermietet, viele davon ohne Steuererklärung. Ähnliche Praktiken seien in Privatkliniken, Bankettsälen, Bauwesen, Landwirtschaft und Nachhilfe üblich, wo Kunden häufig bar zahlen und keine Quittung erhalten.
Zuckerbrot und Peitsche
Die Behörden kombinieren Strafen mit Anreizen, fördern bargeldlose Zahlungen durch Steuererleichterungen und führen strengere Regeln für Verstöße ein. Auch wenn Aserbaidschans Schattenanteil von 1,8 % im internationalen Vergleich moderat erscheint, betonen Experten, dass selbst dieser Bruchteil erhebliche Verluste bedeutet — und sowohl die fiskalische Disziplin als auch das öffentliche Vertrauen untergräbt.
