Obwohl Aserbaidschan am Kaspischen Meer liegt, essen die Menschen dort erstaunlich wenig Fisch. Auf den lokalen Märkten sind die Preise so hoch, dass ein Kilo Fisch mittlerweile so viel kostet wie Fleisch — und manchmal sogar mehr.
Einer unabhängigen Studie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zufolge beträgt der jährliche Fischkonsum pro Kopf in Aserbaidschan nur etwas mehr als 2 Kilogramm. Zum Vergleich: In den Entwicklungsländern liegt der Durchschnitt bei rund 21 Kilogramm. „Diese Zahl zeigt, wie ernst die Lage auf unserem Markt geworden ist“, sagte Zaur Salmanli, Leiter des Verbands der Fischproduzenten und -verarbeiter, gegenüber Minval.
Die Bestände im Kaspischen Meer schrumpfen jedes Jahr, während die heimische Produktion die Nachfrage nicht decken kann. Infolgedessen stammen die meisten in Aserbaidschan verkauften Meeresfrüchte aus dem Import.
Im vergangenen Jahr wurde beim Landwirtschaftsministerium ein Zentrum für Fischerei und Aquakultur eingerichtet, doch laut Salmanli sei seine Wirkung bisher noch nicht spürbar.
„Ja, das ist ein positiver Schritt, aber der Markt befindet sich weiterhin in einem schwierigen Zustand. In den letzten fünf bis sechs Jahren ist die lokale Fischproduktion stark zurückgegangen. Nur die Störzucht hat sich als widerstandsfähig erwiesen, während Karpfen, Forellen und Kaltwasserfische stark rückläufig sind“, merkte er an.
Die Lücke wurde fast vollständig durch Importe geschlossen. „Heute sind etwa **80 % der Fische und Meeresfrüchte auf unserem Markt importiert. Dies zeigt deutlich die ernsthaften Probleme in der Aquakultur“, sagte Salmanli und fügte hinzu, dass die Preise in den nächsten drei Jahren voraussichtlich nicht sinken werden, da sich das neue Zentrum noch im Aufbau befindet.
Experten argumentieren, dass die Entwicklung der heimischen Produktion eine klare staatliche Politik erfordert. Aserbaidschan verfügt über großes Potenzial für Karpfen und andere Pflanzenfresser, doch diese werden weiterhin aus Russland und dem Iran importiert. Im Iran genießt die Fischzucht eine großzügige staatliche Unterstützung, einschließlich Steuerbefreiungen und Subventionen für Forellenzüchter. Im Gegensatz dazu haben zollfreie Importe iranischer Forellen in den letzten Jahren die aserbaidschanischen Forellenzuchten nahezu zerstört und die lokale Produktion unrentabel gemacht.
Was die Verbraucherpräferenzen betrifft, so sagte Salmanli, dass die aserbaidschanischen Geschmäcker die globalen Trends widerspiegeln: Grätenfreie Fische sind zunehmend gefragt, und Importe von Krustentieren und Weichtieren haben stark zugenommen. Fast 90 % der im Land verkauften Schalentiere sind importiert.
