Die Fleischpreise in Aserbaidschan erreichen neue Höhen. Laut dem staatlichen Statistikkomitee stiegen sie von Januar bis Juli 2025 um 6,8 % im Vergleich zum Vorjahr, im August allein um weitere 20 %. Analysten prognostizieren, dass der Kilopreis in den kommenden Jahren bis zu 30 Manat erreichen könnte.
Ursachen sind sowohl global als auch hausgemacht. Weltweit klettern die Fleischpreise stark nach oben. Da Aserbaidschan rund 35–40 % seines Bedarfs importiert, wirken sich diese Schwankungen direkt auf den Binnenmarkt aus. Parallel dazu schrumpft die heimische Produktion: Die Zahl von Schafen, Ziegen und Rindern ist rückläufig.
Ein strukturelles Problem ist die fehlende staatliche Unterstützung. Während viele andere Agrarzweige hohe Subventionen erhalten, wird die Viehzucht weitgehend vernachlässigt. So gibt es 100 Manat pro Kalb aus künstlicher Befruchtung, für natürlich geborene jedoch nichts – ein Signal, das Bauern demotiviert.
Besonders paradox erscheint die Subventionspolitik bei Feldfrüchten: Luzerne, das wichtigste Futter, wird mit nur 100 Manat pro Hektar unterstützt, während Heidelbeeren 15.000 und Kiwis 9.600 Manat pro Hektar erhalten. Experten weisen darauf hin, dass derartige Ungleichgewichte die Basis der Ernährung gefährden.
Hinzu kommt ein kultureller Aspekt: Die Bevölkerung bevorzugt frisches Fleisch. Tiefgekühltes Fleisch findet kaum Abnehmer, selbst gekühlte Ware stößt auf Zurückhaltung. Dadurch steigt der Druck auf das Angebot und die Preise ziehen weiter an.
Fachleute fordern eine umfassende Strategie zur Stärkung der Viehwirtschaft, den Schutz von Weideflächen und eine grundlegende Reform des Subventionssystems – andernfalls könnte Fleisch in Aserbaidschan bald zum Luxusgut werden.
