Das Jahr 2027 wird nun als Wendepunkt für die Hauptstadt Aserbaidschans verkauft. Beamte verkünden stolz, dass Baku sein chronisches Wasserproblem endlich lösen wird, indem es dank neuer Entsalzungsanlagen direkt aus dem Kaspischen Meer trinkt. Internationale Verträge werden unterzeichnet, glänzende Präsentationen auf der Baku Water Week gezeigt und Worte wie „Innovation“ und „Nachhaltigkeit“ wie Konfetti gestreut.
Aber tun wir nicht so, als wäre dies Dubai. Die bittere Wahrheit ist, dass das Kaspische Meer kein unberührtes Reservoir der Reinheit ist. Seit Jahrzehnten leitet Baku Millionen Kubikmeter unbehandeltes Abwasser direkt hinein. Laut den eigenen Zahlen des Umweltministeriums sieht etwa die Hälfte des Abwassers der Stadt nie eine ordnungsgemäße Behandlung, bevor es ins Meer gelangt. Ganze Stadtteile leiten ihre Abwasserrohre direkt an die Küste.
Also verbinden wir die Punkte: dasselbe Kaspische Meer, das im Sommer nach menschlichen Abfällen stinkt, wird in zwei Jahren als „Premium-Trinkwasser“ abgefüllt. Kein Wunder hier – nur ein industrieller Kreislauf. Spülen, verdünnen, entsalzen, servieren. Eine groteske Parodie des Recyclings.
Die Behörden bestehen darauf, dass Entsalzung „hochwertiges Trinkwasser“ liefern wird. Vielleicht sollten sie erklären, warum die Bewohner zuerst das Meer verschmutzen und dann internationalen Konzernen Geld zahlen müssen, um ihr eigenes Chaos zu beseitigen. Wenn das kein politisches Genie ist – was dann? Es fühlt sich fast wie eine Parodie der sowjetischen Planwirtschaft an: zuerst kaputtmachen, dann reparieren, dann zweimal kassieren.
Das tragikomischste Element ist die Kostenfrage. Entsalztes Wasser ist eine der teuersten Methoden zur Herstellung von Süßwasser weltweit. In Ländern wie Israel oder den VAE funktioniert es, weil die Infrastruktur erstklassig ist, die Leckagen minimal sind und das Abwasser behandelt wird – nicht in das nächste Gewässer gesprüht.
In Baku werden die Menschen wahrscheinlich am Ende Premiumpreise für das bezahlen, was sich – ohne Übertreibung – nur als ihre eigenen Abfälle in einer saubereren Flasche beschreiben lässt.
Also lassen wir die PR-Teams weiterhin „ein neues Kapitel in der Wassersicherheit“ feiern. Für gewöhnliche Bewohner könnte 2027 als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem Baku die volle Bedeutung des Sprichworts entdeckte: wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.
