Prävention gilt seit jeher als Grundlage guter Gesundheit. In der heutigen Realität Aserbaidschans bleibt jedoch eine umfassende medizinische Untersuchung (Check-up) für viele Menschen aufgrund der hohen Kosten unerreichbar.
„Wie typische Aserbaidschaner gehen wir erst zum Arzt, wenn ein Problem auftritt. Der Hauptgrund sind die hohen Preise. Würde ein Check-up etwa 100 Manat kosten, ließe sich wohl jeder mindestens zweimal im Jahr untersuchen“, sagt ein Befragter.
Tatsächlich beginnen die Check-up-Pakete in privaten Kliniken bei etwa 100 Manat, können aber je nach Umfang ein Vielfaches kosten. Viele medizinische Zentren bieten ein gestuftes System mit Standard- und Premium-Paketen an.
Der Mediziner Rasif Baghirov betont, dass umfassende Untersuchungen zweimal jährlich notwendig seien, und weist auf große Preisunterschiede zwischen den Kliniken hin:
„Jede Einrichtung legt ihre Preise nach ihrem Ruf und ihrer Marktposition fest. Doch Preisunterschiede bedeuten nicht immer Qualitätsunterschiede – eine Analyse bleibt eine Analyse, egal wo sie gemacht wird.“
Baghirov warnt zudem vor einer besorgniserregenden Entwicklung:
„Früher konnten Patienten mit Krankenversicherung vollständige Check-ups durchführen. In letzter Zeit wurde der Umfang stark reduziert – es werden nur noch einige Basisanalysen angeboten. Vollständige Vorsorgeuntersuchungen sollten verpflichtend im Versicherungsschutz enthalten sein, insbesondere für Menschen, die selten Ärzte aufsuchen.“
Der stellvertretende Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Gesundheit, Rashad Makhmudov, erklärt die Preisunterschiede durch mehrere Faktoren: die Infrastruktur der Einrichtungen, die Qualität der Geräte und die Qualifikation des medizinischen Personals. Hochtechnologische Untersuchungen wie MRT, CT sowie Hormon- und Tumormarker-Tests treiben die Kosten stark in die Höhe.
„Der Preisanstieg ist größtenteils auf die Kosten für importierte Reagenzien und Laborgeräte zurückzuführen, die Kliniken im Ausland beschaffen müssen“, so Makhmudov.
Er verweist zudem auf die Vielfalt der angebotenen Pakete:
„Es gibt spezielle Programme für Männer, Frauen, Jugendliche, Kinder, Senioren und Menschen mit chronischen Erkrankungen. Jedes Programm hat seine Besonderheiten, was sich im Preis widerspiegelt. In unserem Land werden Check-ups ausschließlich kommerziell angeboten und nicht staatlich finanziert.“
Makhmudov hebt hervor, dass das aktuelle Versicherungssystem vor allem auf Diagnose und Behandlung bestehender Krankheiten ausgerichtet sei.
„Vorsorgeuntersuchungen für gesunde Bürger sind derzeit keine Priorität. Langfristig wird die Aufnahme präventiver Medizin in das Basispaket jedoch unvermeidlich sein – ein entscheidender Schritt zur Entwicklung der Präventionsmedizin in Aserbaidschan.“
Laut der Staatlichen Agentur für obligatorische Krankenversicherung werden Laboranalysen, bildgebende Verfahren und Physiotherapie nur bei ärztlicher Verordnung und konkreten Beschwerden übernommen. Präventive Check-ups ohne Symptome sind nicht Teil der Basisversicherung.
