Immobilien, Gold oder die Bank? Das war die Frage, die den Einwohnern der aserbaidschanischen Hauptstadt in einer jüngsten Straßenumfrage von Baku TV gestellt wurde — und die Antworten spiegeln nicht nur persönliche Vorlieben, sondern auch breitere wirtschaftliche Trends im Land wider.
Die meisten Befragten tendierten zu Immobilien und damit zur Marktrealität: Die Wohnungsnachfrage in Baku bleibt stark und treibt in den letzten Jahren kräftige Preissteigerungen. Wohnungen in Neubauprojekten sind oft schon vor Fertigstellung vergeben; sie gelten zugleich als eigenes Dach über dem Kopf und als langfristiger Wertspeicher. „Eine zu Beginn eines Bauprojekts gekaufte Immobilie kann innerhalb von zwei Jahren Renditen von 35 bis 50 Prozent liefern“, sagte der Ökonom Rashad Gasanov. Er stellte fest, dass Immobilien für Haushalte, die Ersparnisse in unsicheren Zeiten erhalten und mehren wollen, weiterhin die Standardwahl sind.
Doch der Immobilienboom birgt auch Risiken. Die Preise sind so schnell gestiegen, dass die Erschwinglichkeit unter Druck steht, und einige Analysten warnen vor Überkonzentration: Wenn zu viel Vermögen der Haushalte im Beton steckt, bleiben Familien anfällig für plötzliche Marktkorrekturen oder Änderungen der Kreditbedingungen.
Für jene, die Stabilität statt Spekulation suchen, bleiben Bankeinlagen eine verlässliche Alternative. Aserbaidschans Geschäftsbanken bieten derzeit rund 12 Prozent Zinsen pro Jahr, Einlagen bis zu 100.000 Manat sind staatlich versichert. „Das ist eine klassische passive Anlage“, erklärte Gasanov und hob hervor, dass Spareinlagen Vorhersehbarkeit bieten, auch wenn sie nicht die schnelle Wertsteigerung von Immobilien liefern.
Derweil ist Gold als kurzfristige Absicherung wieder aufgetaucht. Die lokale Nachfrage hat zugenommen, da globale Prognosen bullischer werden. Analysten von Goldman Sachs deuteten kürzlich an, dass Gold auf 5.000 US-Dollar je Unze steigen könnte, sollte die Unabhängigkeit der US-Notenbank untergraben werden. Dezember-Futures handeln bereits über 3.600 US-Dollar und verleihen der Rally zusätzlichen Schwung.
In Aserbaidschan bietet der staatliche Konzern AzerGold kleine Barren im Einzelhandel zu 199 Manat pro Gramm an, wodurch das Metall für Privatsparer zugänglich wird. Für viele ist Gold nicht nur Wertspeicher, sondern auch eine portable, liquide Anlage in einer Zeit anhaltend hoher geopolitischer Unsicherheit.
Die Wahl zwischen diesen drei Anlageklassen spiegelt breitere Verschiebungen im Verhalten aserbaidschanischer Haushalte wider. Immobilien stehen weiterhin für Sicherheit und sozialen Status, während Gold als Schutz vor globalen Schocks gilt. Bankeinlagen sind weniger glamourös, verkörpern aber Stabilität in einem noch heranreifenden Finanzsystem.
Ökonomen betonen, dass Diversifikation — also die Verteilung der Ersparnisse auf verschiedene Instrumente — der klügste Weg sein dürfte. In der Praxis prägen jedoch kulturelle Präferenzen und Vertrauen die Entscheidungen mindestens ebenso wie reine Renditen.
Derzeit wächst Bakus Skyline weiter, Juweliergeschäfte sind gut besucht und die Einlagenzinsen bleiben verlockend. Für Sparer stellt sich nicht nur die Frage, wo die besten Renditen liegen, sondern welche Vermögensform ihnen nachts den ruhigeren Schlaf verschafft.
