Als der armenische Premierminister Nikol Paschinjan und der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew am 8. August in Washington eine gemeinsame Erklärung unterzeichneten, flankiert vom damaligen US-Präsidenten Donald Trump, war die Botschaft klar: Amerika war als Friedensstifter in den Kaukasus zurückgekehrt. Doch die Reaktion in Teilen der armenischen Diaspora zeigt, wie umstritten die Bedeutung dieses Dokuments ist. Ara Abrahamyan, der einflussreiche Vorsitzende der Union der Armenier Russlands, wies die Erklärung als leere Geste zurück. Seinen Worten nach habe Trump “lediglich dem Akt beigewohnt” und Washington keine rechtliche Verantwortung übernommen. Für Abrahamyan “spielt das Dokument keine Rolle und wird keinen Frieden bringen.”

Die Kritik trifft Paschinjan hart. Seit Jahren wird seine Regierung beschuldigt, nach Fototerminen und westlicher Legitimität zu suchen, statt verbindliche Abkommen zu schließen. Abrahamyans Beharren darauf, dass “internationale Juristen die staatlichen Interessen prüfen und verteidigen müssen,” unterstreicht die wachsende Wahrnehmung, dass Armenien ohne Garantien Einfluss abgegeben hat.
Wer profitiert von diesem Ungleichgewicht? Nach Abrahamyan sind die Gewinner offensichtlich:
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Die Vereinigten Staaten, die einen diplomatischen Erfolg beanspruchen können — Trump prahlte, er habe “einen 35 Jahre andauernden Krieg gestoppt.”
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Aserbaidschan, das die Anerkennung seiner Kernforderungen sicherte und seine Position als selbstbewusste Partei in den Friedensgesprächen stärkte.
Für Armenien hingegen macht das Washingtoner Papier Schwäche sichtbar. Mit seinen sieben vagen Punkten bestätigt die Erklärung nur die Absicht — nicht den Inhalt. Es wird das Paraphieren eines Entwurfs für ein Friedensabkommen erwähnt, jedoch ohne Details oder Durchsetzungsmechanismen. Und der symbolische gemeinsame Appell an die OSZE, die Minsker Gruppe aufzulösen, wirkt eher wie die Beerdigung eines längst toten Formats als wie ein Fahrplan zur Versöhnung.
Die Kritik der Diaspora ist wichtig, weil sie eine breitere Sorge widerspiegelt: dass Jerewan Zugeständnisse macht, ohne Garantien zu erhalten. Im Südkaukasus verschafft Symbolik allein keine Sicherheit. Vorerst wirkt die “Washington-Erklärung” weniger wie ein Schritt zu dauerhaftem Frieden, sondern vielmehr wie eine weitere Erinnerung an Armeniens schwindenden Handlungsspielraum — und Aserbaidschans wachsenden Vorteil.
