Der türkische Außenminister Hakan Fidan hat die jüngsten Vereinbarungen zwischen Aserbaidschan und Armenien sowie die in Washington unterzeichnete Erklärung zwischen Baku und den Vereinigten Staaten begrüßt und sie als Schaffung “eines sehr positiven Bildes” für den gesamten Südkaukasus bezeichnet.
In einem Interview mit TGRT Haber betonte Fidan, dass Aserbaidschan vor den Gesprächen in Washington Konsultationen mit der Türkei abgehalten habe. Er hob hervor, dass Ankara weiterhin eng mit Baku in strategischen Fragen koordiniere, einschließlich der Zukunft des seit Langem diskutierten Zangezur-Korridors.
“Unsere Haltung zum Zangezur-Korridor basiert auf Vertrauen. Derzeit gibt es nichts Konkretes, aber die Parteien werden erörtern, was als Nächstes geschieht und wie es sich entwickelt. Wir vertrauen unseren aserbaidschanischen Brüdern”, sagte Fidan und fügte hinzu, dass er die Haltung des armenischen Premierministers Nikol Paschinjan in dieser Frage als konstruktiv betrachte.
Die Regionale Strategie der Türkei
Die Türkei hat sich konsequent als engster Verbündeter Aserbaidschans im Südkaukasus positioniert und spielte während und nach dem Karabach-Krieg 2020 eine entscheidende Rolle. Ankara betrachtet neue Transport- und Energiekorridore als zentral für die Neugestaltung der regionalen Landkarte, die die Türkei über Nachitschewan direkt mit Aserbaidschan und Zentralasien verbinden.
Der Zangezur-Korridor ist für Ankara seit Langem eine Priorität, der nicht nur als wirtschaftliches Projekt, sondern auch als geopolitische Lebensader verstanden wird, die die türkische Welt verbindet. Fidans Betonung von “Vertrauen” spiegelt die Bereitschaft der Türkei wider, Bakus Führung zu folgen, während sie sicherstellt, dass ihre eigene strategische Vision im Einklang bleibt.
Der US-Faktor und das Regionale Gleichgewicht
Fidans Bemerkungen erfolgen auch vor dem Hintergrund der vertieften Beziehungen Aserbaidschans zu Washington. Die Washington-Erklärung zwischen Aserbaidschan und den USA wird als Zeichen für eine Verschiebung der Ausrichtungen im Südkaukasus interpretiert, wobei Baku seine Beziehungen zwischen Ankara, Moskau, Brüssel und Washington ausbalanciert.
Indem Ankara die jüngsten diplomatischen Schritte als “positives Bild” beschreibt, signalisiert es, dass es die US-Beteiligung nicht als Bedrohung, sondern als ergänzende Kraft ansieht — eine, die die Normalisierung zwischen Baku und Jerewan beschleunigen und die Region stabilisieren könnte.
Ausblick
Während die Details des Zangezur-Korridors noch ungelöst sind, deutet die Darstellung des aktuellen Moments als “Chance” darauf hin, dass sich Ankara auf eine neue Phase der regionalen Diplomatie vorbereitet. Durch das Lob an Paschinjans Haltung deutete Fidan auch auf die Möglichkeit einer breiteren Öffnung in den Beziehungen zwischen Armenien und der Türkei hin — ein Schritt, der seit Langem vom Fortschritt zwischen Jerewan und Baku abhängt.
In diesem Kontext positioniert sich die Türkei sorgfältig: als Garant für Aserbaidschans Interessen, als regionaler Vermittler und als Brücke zwischen dem Kaukasus und der internationalen Gemeinschaft.
