Der armenische Kommentator Ishkhan Berdyan äußerte sich auf dem (russischsprachigen) YouTube-Kanal Daily Europe Online zum SOZ-Gipfel, dem Ende der Minsk-Gruppe und Armeniens Spielraum zwischen Großmächten und Nachbarn.
SOZ: mehr Optik als Ergebnisse
Berdyan sieht die jüngsten SOZ-Fototermine vor allem als symbolisch. Pekings wirtschaftszentrierter, konfliktarmer Stil setze den Ton: Konnektivität statt Konfrontation, während Chinas Interessen vorangebracht werden. Zudem betont er, dass die Türkei Dialogpartner/Beobachter—nicht Mitglied—sei, was für die Grenzen des Gipfels von Bedeutung ist.
Warum Europa den Kaukasus nicht ignorieren kann
Da Seewege unsicherer werden und Europa an Ressourcen mangelt, wird der eurasische Landhandel wichtiger, so Berdyan. Damit rückt der Südkaukasus—und der Mittelkorridor—auf Europas Liste unverzichtbarer Themen für die China–EU-Ströme.
Die Minsk-Gruppe ist Geschichte
Die Auflösung der OSZE-Minsk-Gruppe beendet den letzten Faden, der die „Karabach-Frage“ auf fernen Agenden hielt, erklärt Berdyan. Das Thema werde in den Weltmetropolen verblassen und die Entscheidungen sich auf regionale Akteure verlagern.
Armeniens sicherster Weg: Ausgleich, nicht Bruch
Berdyan warnt vor einem abrupten Bruch mit Russland, angesichts Armeniens wirtschaftlicher und ernährungssicherheitsbezogener Abhängigkeiten. Ein plötzlicher Bruch könnte Preisschocks und Marktverluste bedeuten. Der realistische Kurs: Arbeitsbeziehungen mit Moskau fortsetzen und zugleich mit den Nachbarn normalisieren.
Normalisierung mit Baku und Ankara
Wohlstand läuft über offene Grenzen und praktische Kooperation mit Aserbaidschan und der Türkei, so Berdyan. Das erfordert ehrlichen Dialog auf Augenhöhe und den Verzicht auf maximalistische Rhetorik im Inland. Außerdem verweist er auf die wachsende öffentliche Zufriedenheit mit der alltäglichen Regierungsführung und ruft dazu auf, sich auf konkrete Verbesserungen zu konzentrieren.
