Jedes Jahr wird vom 1. bis 7. August weltweit die Weltstillwoche begangen. Sie wurde 1992 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UNICEF ins Leben gerufen, um auf die unersetzliche Rolle des Stillens für die Gesundheit von Säuglingen aufmerksam zu machen und dessen gesellschaftlichen Erhalt zu fördern.
Muttermilch gilt als der Goldstandard für die Ernährung von Säuglingen bis zum sechsten Monat und deckt in dieser Zeit deren Energie- und Nährstoffbedarf vollständig ab. Zwischen dem sechsten und zwölften Monat deckt sie etwa die Hälfte, zwischen dem 13. und 24. Monat rund ein Drittel des Bedarfs. Für Frühgeborene ist der Nutzen noch größer: Sie hilft bei der Gewichtszunahme, stärkt das Immunsystem und senkt das Infektionsrisiko. Die WHO empfiehlt, das Stillen innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt zu beginnen und es mindestens zwei Jahre, wenn möglich auch länger, fortzusetzen.
Starker Rückgang in Aserbaidschan
Offiziellen Daten zufolge ist die Stillrate in Aserbaidschan im vergangenen Jahr um fast 20 % gesunken. Laut UNICEF werden nur 28 % der Säuglinge im Land gestillt – die Mehrheit erhält also Ersatznahrung, was mit Gesundheits- und Entwicklungsrisiken verbunden ist.
Der Kinderarzt Vagif Garayev sagte gegenüber Bizim.Media, dass Muttermilch für das Immunsystem und die Entwicklung eines Kindes entscheidend sei:
“In den letzten Jahren hat sich die Zahl der Mütter, die auf Säuglingsnahrung zurückgreifen, verfünffacht. Meistens liegt das nicht an Milchmangel, sondern an fehlender Information und Unterstützung. Mütter müssen verstehen, dass Stillen das Beste ist, was sie für ihr Kind tun können.”
Garayev betonte zudem die Bedeutung des Kolostrums — der ersten Milch nach der Geburt, die reich an Antikörpern ist — für die Immunität des Neugeborenen.
“Diese Phase zu überspringen, ist ein großer Fehler. Lassen Sie sich nicht von Werbung für Säuglingsnahrung beeinflussen. Wenn Sie Ihr Baby wirklich lieben, verwehren Sie ihm diesen Schutz nicht”, sagte er.
Das Gesundheitsministerium wurde um eine Stellungnahme gebeten, welche Maßnahmen zur Weltstillwoche ergriffen werden, um dem Rückgang entgegenzuwirken.
