Das Kollegium des Staatlichen Komitees für Stadtplanung und Architektur hat die „Gestaltungsnormen für Hochhäuser und Komplexe“ genehmigt. Laut Beschluss müssen Gebäude entsprechend dem Projektauftrag geplant werden. Diese Gebäude gehören zur Kategorie mit hoher Verantwortung, und ihre berechnete Nutzungsdauer darf nicht weniger als 100 Jahre betragen. Das bedeutet, dass die Gebäude künftig eine Lebensdauer von 100 Jahren haben werden. Aber wie lange halten die bestehenden Gebäude in Baku? Und wie wird das neue Gesetz umgesetzt?
Artikel der Zeitung „Kaspi“: „Die Kontrolle über Gebäude wird weiter verstärkt“
Laut dem Immobilienexperten Ramil Osmanlı wird die Überwachung der Gebäude durch dieses Gesetz noch stärker werden: „Die Genehmigung der Planungsnormen war erwartet. Solche Vorschriften gab es schon früher. Für Hochhäuser bestanden stets technische Standards. Doch jetzt, da diese Normen direkt in den Hochverantwortungszonen gelten, bestimmte Koeffizienten angewendet werden und die Mindestnutzungsdauer auf 100 Jahre erhöht wird, zeigt das, dass die Kontrolle künftig verschärft wird.“
Osmanlı zufolge haben viele Gebäude aus früheren Zeiten, insbesondere aus der Sowjetära, ihre Nutzungsdauer bereits überschritten: „Obwohl teilweise Verstärkungsarbeiten durchgeführt wurden, sind diese Bauten faktisch am Ende ihrer Lebenszeit. Die meisten bestehen aus Beton und entsprechen nicht mehr den heutigen Bauvorschriften.“
„Gebäude müssen regelmäßig instand gehalten werden“
Der Experte ist der Ansicht, dass die schnelle Abnutzung der Gebäude auf mangelnde Pflege zurückzuführen ist: „Seit dem Jahr 2000 werden regelmäßig Überprüfungen an Neubauten durchgeführt. Es wird über deren Qualität und Stabilität diskutiert. Einige sind minderwertig, aber die Mehrheit, insbesondere monolithische Betonbauten, ist stabil. Doch die Instandhaltungsregeln werden nicht beachtet. Die Verwaltung von Mehrfamilienhäusern liegt in den Händen der Eigentümergemeinschaften, nicht des Staates. Oft verlassen Baukooperativen die Gebäude nach einigen Jahren Nutzung. Gebäude müssen jedoch regelmäßig renoviert, Fassaden und technische Anlagen rechtzeitig erneuert werden. Da dies oft nicht geschieht, sieht ein 15 Jahre altes Gebäude manchmal aus, als wäre es 100 Jahre alt.“
Osmanlı erwähnte auch weitere Änderungen, die sich aus dem neuen Beschluss ergeben: „Nach Einführung der Bauvorschriften werden die Qualitätsstandards erhöht, die städtebaulichen Anforderungen müssen eingehalten, Grünflächen geschaffen und die Infrastruktur stärker überwacht werden. Für Projekte über 9 Hektar gelten sogar zusätzliche Anforderungen. Ich denke, das Gesetz wird die Qualität in diesem Bereich weiter verbessern.“
„Baufirmen müssen Verantwortung für Gebäude tragen“
Der Immobilien- und Bauexperte Elnur Azadov erklärte, dass die während der Sowjetzeit errichteten Gebäude nicht mehr sicher sind: „Die sogenannten ‚Chruschtschowkas‘ wurden in den 1960er Jahren gebaut. Ihre Lebensdauer war auf 40 Jahre ausgelegt, doch sie werden seit etwa 65 Jahren genutzt. In den 1970er Jahren wurden neunstöckige Gebäude mit Betonfundamenten errichtet, die sogenannten französischen Projekte. Viele Mikrorayons in Baku bestehen aus diesen Gebäuden. Ihre geplante Lebensdauer beträgt 100 Jahre, doch richtige Wartung ist entscheidend. Ohne regelmäßige Instandhaltung reduziert sich ihre Nutzungsdauer auf etwa 50 Jahre.“
Nach Azadovs Meinung könnten Gebäude länger halten, wenn Baufirmen auch nach der Inbetriebnahme Verantwortung übernehmen würden: „Etwa 2.500 Mehrfamilienhäuser, die nach dem Jahr 2000 gebaut wurden, weisen keine gravierenden Mängel auf. Auch die nach 2007 übergebenen Gebäude haben keine strukturellen Probleme. Mit der Zeit kann der Putz abfallen, aber die tragenden Strukturen bleiben stabil. Daher sollten Putz- und andere Reparaturarbeiten regelmäßig erfolgen. Bauunternehmen müssen dafür Verantwortung tragen.“
„Die Qualität der Infrastruktur könnte steigen“
Die Architektin und Stadtplanerin Səbinə Abbasova ist ebenfalls der Meinung, dass das neue Gesetz erfolgreich sein kann: „Wenn die neuen Regeln in neuen Projekten konsequent umgesetzt werden, können sie die architektonische Qualität der Stadt und die Infrastruktur verbessern. Zusammen mit dem Gesetz über die Bebauungsdichte kann dies zu einer ausgewogeneren Stadtentwicklung führen. So können die bauliche Qualität und die Kommunikationsinfrastruktur verbessert werden.“
