Die armenische Führung begann die Woche defensiv, aber ohne Entschuldigung – im Streit mit US-Kritik und mit neuer Kontroverse über die Politik der Völkermordanerkennung.
Paschinjan vs. Washington
Premierminister Nikol Paschinjan reagierte scharf auf einen Artikel des ehemaligen US-Vizeaußenministers James O’Brien, der argumentierte, Aserbaidschan habe in Washington “einen großen Sieg” errungen, während Armenien geschwächt dastehe.
Paschinjan wies diese Einschätzung zurück und warf der Biden-Regierung vor, Mechanismen aufgegeben zu haben, die einst halfen, Baku einzudämmen. Beobachter stellen fest, dass Eriwans Rhetorik, früher eng an die Demokraten angelehnt, zunehmend Themen aufgreift, die eher mit Donald Trump assoziiert sind. Der Wandel sei weniger ideologisch als taktisch und diene dem Ziel, in der sich schnell wandelnden politischen Landschaft Washingtons relevant zu bleiben.
Netanjahu vs. Ankara
Ebenfalls für Schlagzeilen sorgte eine Bemerkung des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu in einem Podcast. Auf die Frage, ob er den armenischen Völkermord anerkenne, antwortete er knapp: „Ja, das tue ich.“ Obwohl beiläufig, hallte die Aussage in Armenien wider und rief eine scharfe Reaktion der Türkei hervor.
Paschinjan spielte die Bedeutung herunter und betonte, dass diese Bemerkung „nicht den Interessen Armeniens oder des armenischen Volkes dient“. Seit dem Karabach-Krieg 2020 haben die armenischen Behörden Kampagnen zur Anerkennung zurückgestellt, da sie diese als Hindernis für den fragilen Dialog mit Ankara sehen. Experten warnen, dass internationale Verweise auf 1915 oft eher externen Agenden gegen die Türkei dienen als den langfristigen Sicherheitsinteressen Armeniens.
Schärfere Außenpolitik
Die beiden Kontroversen verdeutlichen den schärferen Ton in Eriwans außenpolitischem Diskurs. Indem Armenien US-Kritik zurückweist und symbolische Erfolge bei der Anerkennung vermeidet, signalisiert es, dass seine Diplomatie weniger von Gefühlen, sondern stärker vom Überlebenswillen in einer instabilen regionalen Ordnung geprägt ist.
Auch auf dem YouTube-Kanal CivilNet wurden diese Fragen diskutiert; Analysten betonten die Risiken und Motive hinter Paschinjans Rhetorik.
